Bahnen & Technik

Umfrage: Boom bei selbstfahrenden Metros

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Während das autonome Fahren beim Pkw noch in der Entwicklungsphase steckt, hat es sich bei der U-Bahn bereits vielerorts etabliert. 2015 beförderten selbstfahrende Metros im europäischen Stadtverkehr rund 1 Mrd Fahrgäste, wie eine EU-weite Umfrage der Allianz pro Schiene zeigt.

In 15 Städten nutzen die Reisenden autonome U-Bahnen mit ständig wachsenden Fahrgastzahlen. In Frankreich setzen die Städte Paris, Rennes, Toulouse, Lyon und Lille solche Systeme ein. In Italien betreiben die Städte Rom, Mailand, Turin und Brescia fahrerlose Linien. Hinzu kommen London, Barcelona, Budapest, Kopenhagen, Lausanne und Nürnberg. Hamburg wolle mit automatisierten U-Bahnen folgen. Entsprechende Pläne gebe es zudem in Wien, Athen, Istanbul und Stockholm.

Vorteile autonomer Metros benennt Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege: „Im Vergleich zu einer konventionellen U-Bahn können selbstfahrende Metros durch kürzere Abstände zwischen den Bahnen 20 Prozent mehr Fahrgäste auf einem Streckenabschnitt transportieren und der Energieverbrauch sinkt durch computergesteuertes Fahren um 30 Prozent.“ Auch verbessere sich die bei Metros üblicherweise hohe Pünktlichkeitsquote nochmals. „Das sind Vorteile, die sich beim Neubau von U-Bahnlinien betriebswirtschaftlich rechnen, weshalb die Nachfrage weltweit rapide steigt“, erläutert Flege. Die Umrüstung bestehender Metrostrecken auf die vollautomatisierte Technik lohne sich dagegen häufig nicht.

Auf das reguläre Eisenbahnnetz lasse sich die Technik der autonomen U-Bahnen nicht ohne weiteres übertragen. Flege: „Sobald Güterzüge, schnelle und langsame Personenzüge auf einem Gleis verkehren, wird es schwieriger.“ Dennoch hätten der digitale Wandel und die zunehmende Automatisierung auch den Eisenbahnverkehr „längst erreicht“. Für den regulären Eisenbahnbereich müssten nun alle Stellhebel erforscht werden, um Digitalisierung und Automatisierung voranzutreiben. Dabei nimmt er auch die Politik in die Pflicht: „Während es in Deutschland für die Straße bereits digitale Testfelder gibt, die Fördermillionen verschlingen, herrscht bei der Eisenbahn Ebbe.“ (mab/NaNa)