Infrastruktur

Streit um Bahnsteighöhen

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Die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen streiten mit der Deutschen Bahn AG über die Bahnsteighöhen in Stationen und Bahnhöfen. Dies meldet der MDR in seinem Magazin „Umschau“.

Mit dem Bahnsteighöhenkonzept 2017 strebe die DB langfristig eine einheitliche Bahnsteighöhe von 76 cm an. Damit sollen die Bahnhöfe bundesweit barrierefrei gestaltet werden. Gerade dies sähen die genannten Länder aber für ihre Bahnhöfe gefährdet. Denn in der Vergangenheit habe man sich auf 55 cm Bahnsteighöhe geeinigt.

er neuerliche Umbau auf 76 cm führe dazu, dass die in den letzten Jahren beschaffen Fahrzeuge mit Einstiegshöhen von 55 cm an den umgebauten Bahnsteigen zu niedrig seien und für eine lange Übergangszeit, die schon einmal erreichte Barrierefreiheit wieder verloren gehe. „Es darf nicht zu Lasten der im Freistaat Sachsen im Schienenpersonennahverkehr mit 55er-Bahnsteigkanten mittelfristig erreichbaren vollständigen Barrierefreiheit gehen“, zitiert der Sender Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig. Eine Sprecherin des Thüringer Infrastrukturministeriums sagte, dass die Züge im Nahverkehr durchweg Einstiege mit 55 cm Höhe aufwiesen. „Dies geschah immer in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn.“ Die DB halte die Kritik für unberechtigt, es gehe um eine Überarbeitung der Bahnsteige ab dem Jahr 2030. Dann stehe die Teilerneuerung des Bahnsteigbelags sowieso an. In diesem Zusammenhang könne auch die Anpassung der Bahnsteigkanten erfolgen.

Das Problem unterschiedlicher Bahnsteighöhen besteht schon lange, hat sich aber angesichts der Forderung nach Barrierefreiheit verschärft. Zurzeit werden ältere Bahnsteige mit teilweise nur 38 cm Höhe erhöht. Dabei hat sich aber keine bundesweit einheitliche Bahnsteighöhe durchgesetzt. Es gibt zwei Standardhöhen, 55 cm und 76 sowie als Sonderform die 96 cm hohen Bahnsteige bei S-Bahnen. Die Verbreitung der Höhen ist stark regional geprägt, was aber nicht verhindert, dass Züge sowohl an umgebauten Bahnsteigen mit 55 cm und 76 cm Höhe halten müssen. Verschärft wird das Problem dadurch, dass es keinen deutschen Fernzug für 55 cm Einstiegshöhe gibt. Sehr langfristig wird man dieses Problem nur mit einer einheitlichen Bahnsteighöhe lösen können. Für eine lange Übergangsfrist kann dies zusätzliche Probleme verursachen, wie am Beispiel des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) zu sehen ist. Dort hat man sich für eine einheitliche Bahnsteighöhe von 76 cm auch im S-Bahn-Bereich entschieden und auch bereits Fahrzeuge für diese Höhe beschafft, die nun aber auch an Bahnsteigen mit 96 cm Höhe halten, im Unterschied zur Vorgängergeneration also dort neue Barrieren schaffen, an anderen Bahnsteigen aber dafür erstmals barrierefrei nutzbar sind. Gleichzeitig hat man an drei anderen Bahnhöfen die Bahnsteighöhe auf 96 cm gebracht, da dort auf lange Sicht nur Hochflur-S-Bahnen halten. (lk/NaNa)