Infrastruktur

Zu wenig Geld für das Schienennetz

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Während viele europäische Länder ihre Schienennetze für die Zukunft hochrüsten, investiert Deutschland seit Jahren zu wenig Geld in seine Eisenbahninfrastruktur. Im europäischen Vergleich erreicht Deutschland auch 2016 nur einen der hinteren Ränge im Investitions-Ranking. Das zeigt eine Studie von Allianz pro Schiene und SCI Verkehr.

Andere europäische Wirtschaftsnationen würden auf dreistellige Pro-Kopf-Summen bei den staatlichen Investitionen in die Schieneninfrastruktur kommen: Spitzenreiter Schweiz gab laut Studie 378 Euro pro Bürger aus, gefolgt von Österreich mit 198 Euro pro Einwohner. Doch auch in anderen Ländern schreite der Ausbau voran: Schweden investiert 170 Euro pro Bürger, Großbritannien lässt sich sein Netz 151 Euro kosten und die Niederlande wenden 133 Euro auf. Deutschland habe hingegen mit 64 Euro pro Bürger den Abstand noch nicht aufgeholt. Obwohl im Vergleich zu 2015 bereits ein deutliches Plus bei den Schieneninvestitionen auf Bundesebene zu verzeichnen sei, investierten 2016 lediglich Spanien (36 Euro pro Kopf) und Frankreich (37 Euro) weniger.

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene stellt trotzdem fest, dass „der Anfang für eine Trendwende gemacht“ ist. Vor allem die bessere Ausstattung aus der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Deutscher Bahn sorge dafür, dass es mit den Investitionen bergauf gehe. 2014 hatte Deutschland noch 49 Euro pro Bürger ins Schienennetz gesteckt, 2015 waren es 56 Euro. Die Summe allerdings, die statt der aktuell 64  Euro nötig wäre, um nicht nur den Erhalt zu sichern, sondern auch beim Neuund Ausbau voranzukommen, bezifferte Flege auf rund 80 Euro pro Kopf. Sogar dann bleibe der Abstand zu den Ländern, die dreistellig investieren, „schmerzhaft groß“.

Maria Leenen, Geschäftsführerin von SCI Verkehr, schließt sich der Einschätzung an, dass Deutschland ein Investitionsvolumen von 80 Euro pro Bürger anstreben sollte. „Das reiche Deutschland leistet sich inzwischen weniger Schiene als die Volksrepublik China. Obwohl der Wohlstandsschnitt jedes Bürgers weit unter dem der Deutschen liegt, mobilisieren die Chinesen gewaltige Summen für ihre Infrastruktur.“ Waren es 2007 nur 15  Euro pro Bürger, kam China schon 2012 auf 58 Euro und 2016 auf 79  Euro. Dennoch begrüßt Leenen die jüngsten Weichenstellungen. „Das war ein gutes Jahr für die Schiene. Die Botschaft, dass die Eisenbahninfrastruktur jahrelang dramatisch unterfinanziert war, ist bei der Politik endlich angekommen.“ Sie erinnert aber daran, dass es nicht auf Beton allein ankomme. „Intelligenz ist ebenfalls gefragt. Auch hier ist China inzwischen ein Vorbild: Zuerst hat man massiv in Streckenausbau und Fahrzeuge investiert, inzwischen konzentrieren sich die Chinesen auf Automatisierung und Digitalisierung ihres Schienennetzes. (mab/NaNa)