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Diskussionen um Fernbus-Terminals

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Die deutsche Verkehrsinfrastruktur ist hoffnungslos unterfinanziert, sagen Verkehrsunternehmen und Bauindustrie. Die Fernbusliberalisierung zum 1. Januar 2013 stellt die öffentliche Hand nun vor zusätzliche finanzielle und raumplanerische Aufgaben. Wer wie Hamburg oder München frühzeitig investiert, kommt mit der bestehenden Kapazität zurecht.

Angesichts der bevorstehenden Liberalisierung des Fernbusverkehrs lässt der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) derzeit einen Vorschlag für ein Terminal überarbeiten.
Am Südausgang des Hauptbahnhofes könnte auf einem heute als Parkplatz genutzten Gelände demnach eine solche Anlage entstehen. Anders als bis 2007 angedacht soll die Anlage aber nicht mehr als Hochhaus ausgeführt werden, meldet die „Frankfurter Rundschau“. Hier gebe es wohl zu große politische und juristische Widerstände.
Unverändert soll das Erdgeschoss die Fernbusstation aufnehmen, um einen möglichst barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Nun wird aber auch ein Fußgängertunnel geprüft, der an eine bestehende Unterführung im Hauptbahnhof anstoßen könnte. Damit soll der Umstieg zwischen Fernbus und Fernzug optimiert werden.
In Berlin will die SPD/CDU-Koalition ihre im Koalitionsvertrag verabredete Neugestaltung des Fernbus-ZOB am Funkturm ein bis zwei Jahre auf 2013 vorziehen. „Offenbar soll es auch mehr Geld geben: 1,5 Mio. EUR“, meldet die „Berliner Zeitung“.
Die Anlage sei zu 85 % ausgelastet und erwarte weiteres Fahrgastwachstum. Die 1966 eröffnete Infrastruktur steht im Landeseigentum. Gemanagt wird sie von BVG Berlin über die Tochtergesellschaft Internationale Omnibusbahnhof-Betreibergesellschaft (IOB). Das jahrelang ins Auge gefasste zweite Fernbusterminal in der Mitte oder im Osten der Stadt hat die Koalition ad acta gelegt (ÖPNV aktuell 95/11).
Der Hamburger ZOB erwartet laut „Abendblatt“ 150 bis 200 zusätzliche Abfahrten täglich von Fernbussen, gegenüber heute 400 pro Woche. „Das kann der ZOB gut verkraften“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Marahrens. Bislang starten wöchentlich rund 400 Busse im Linienfernverkehr nach Polen, aber auch nach Berlin oder Mannheim. Die Stadtverwaltung Wuppertal sieht im Fernbusverkehr Chancen für Bürger wie für die Anbindung. Daher sei „die Etablierung einer zentralen Haltestelle … anzustreben, auch wenn hierfür keine Verpflichtung besteht“. Weil es sich nicht um Daseinsvorsorge handele, würden „absehbar keine Fördermittel für Bau (und Betrieb) von Fernbusterminals bereitstehen“.
Daher schlägt man zunächst „eine weitgehend kostenneutrale Lösung“ vor: Auf dem Rittershauser Platz hat WSW mobil im Zuge der Schwebebahn- und ZOB-Sanierung Oberbarmen einen Übergangs-ZOB geschaffen, den man nutzen will.

Mehr zu dem Thema finden Abonnenten von ÖPNV aktuell in Ausgabe 99/12.