Politik & Recht

Kiel prüft Bau einer Stadtbahn

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In den kommenden zwei Jahren soll unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein leistungsfähiges Mobilitätskonzept für die holsteinische Landeshauptstadt erarbeitet werden.

Einer entsprechenden Beschlussvorlage von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) hat die Kooperation aus SPD, Grünen und des Südschleswigschen Wählerverbandes SSW in der Ratsversammlung am 21. Januar zugestimmt. Die Entwicklung des Mobilitätskonzeptes soll auf Grundlage des Regionalen Nahverkehrsplanes, der Weiterentwicklung des nachhaltigen Umweltverbundes sowie des Verkehrsentwicklungsplans erfolgen. Die Kosten für das Gesamtkonzept sollen bei rund 350.000 Euro liegen.

Laut Kämpfer müsse es das Ziel sein, möglichst das gesamte Stadtgebiet mit einem starken und nachhaltigen ÖPNV-Angebot zu versorgen. Untersucht werden soll, welche Rolle eine mögliche Stadtbahn dabei spielen könne. Hier sei es besonders wichtig, um breite Unterstützung zu werben.

Auch ohne die (gemeinsam mit Hamburg geplanten) Olympia-Wettbewerbe in Kiel schätzt die Verwaltung den Ausbau von schienengebundenen Systemen für die Stadt und die Region nach wie vor grundsätzlich für verkehrstechnisch sinnvoll ein. Aufgrund der geplanten Entwicklung eines ehemaligen Militärgeländes und weiteren städtebaulichen Entwicklungen nördlich des Nord-Ostseekanals solle insbesondere eine Stadtbahnlinie vom Hauptbahnhof und der Innenstadt nach Schilksee im Norden geprüft werden. Ein wesentlicher Faktor für die Realisierbarkeit dieser Linienführung sei die Nutzbarkeit der Holtenauer Hochbrücke für Bahnfahrzeuge.

Die CDU-Opposition lehnte eine Stadtbahn nicht gänzlich ab, forderte aber, „Traumtänzereien einer großen Bahnlösung“ zu beenden und sich auf eine realistische Strecke vom Ostufer bis zur Universität zu konzentrieren. Eine Querung des Nord-Ostseekanals sei unrealistisch. Um baldige Fortschritte im ÖPNV zu erzielen, sei auch auf die bessere Verzahnung von Bussen und Fördeschifffahrt zu setzen sowie zur Steigerung der Umweltfreundlichkeit des ÖPNV für Busse und Fördeschiffe emissionsarme oder emissionsfreie Antriebe zu prüfen.

Kämpfer hatte im Mai vergangenen Jahres nach mehr als zehnjähriger Planung das Aus für eine Stadtregionalbahn verkündet. Das 380-Mio-Euro-Projekt habe nie die notwendige Unterstützung erfahren. Die Stadtregionalbahn, die in der Kieler Innenstadt als normale Straßenbahn und außerhalb der Stadtgrenzen auf bestehenden Eisenbahnstrecken bis nach Neumünster, Plön und Eckernförde fahren sollte, war vor allem im Kieler Umland umstritten. (FM)