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Winter geschasst – Gerüchte um vollständige Übernahme von Saar-Bus

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Die Stadtwerke Saarbrücken haben Andreas Winter als Chef von Saarbahn und Saarbahn Netz abgesetzt. Offiziell soll er im Konzern eine andere geschäftsführende Tätigkeit erhalten. Doch sein Diensthandy ist nicht mehr erreichbar, und angeblich hat er inzwischen auch Hausverbot. Am 10. Januar will sich OB Britz (SPD) der Belegschaft erklären. Verdi befürchtet, dass der gemischtwirtschaftliche Saar-Bus aufgekauft und zur Billigtochter entwickelt wird.

„Wie Sie wissen, wurde am Freitag, 22. Dezember 2017, Andreas Winter als Geschäftsführer der Saarbahn abberufen“, schreibt die Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz den Mitarbeitern in der Einladung zu der Mitarbeiterversammlung. Wegen der Feiertage habe eine frühere persönliche Information über den Führungswechsel nicht erfolgen können, führt die SPD-Politikerin weiter aus. Das will sie am 10. Januar 2018 nachholen. Die Einladung liegt der Redaktion in Kopie vor. Fest steht, dass Winters bisheriger Co-Geschäftsführer Peter Edlinger bis auf weiteres Alleingeschäftsführer der Verkehrstöchter bleiben soll. Der Jurist ist gleichzeitig Geschäftsführer im Querverbund, gemeinsam mit Konzernchef Thomas Severin.

Diese beiden sind aus einem Machtkampf als Sieger hervorgegangen, bei dem es vordergründig um die Neuvergabe der Bus- und Bahnleistungen zum 1. September 2019 geht, hintergründig aber wohl um die Restrukturierungsstrategie. Severin und Edlinger setzen auf eine Direktvergabe, verlangen von der Verkehrssparte aber zusätzlich, „aufgrund des konkret bestehenden Risikos, als letzte Möglichkeit und Rückfallebene zur Verteidigung der Bestandsverkehre einen eigenen eigenwirtschaftlichen Antrag auszuarbeiten“.

Winter hielt dagegen einen eigenwirtschaftlichen Antrag für aussichtslos und warb öffentlich für eine Direktvergabe des integrierten Bus-/Bahn-Netzes. Er wies auf die bestehenden gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen, aber auch auf die Wünsche der Landeshauptstadt hin. Laut dem neuen Verkehrsentwicklungsplan 2030 wünscht Saarbrücken 3 % mehr Bus, außerdem Metrobuslinien sowie den Ausbau des Bahnnetzes. Der neue Nahverkehrsplan 2019 (noch im Entwurf) sieht ein einziges Linienbündel vor.

Winters Kurs haben ihm die Unterstützung des Betriebsrates und von Verdi beschert – aber auch die Gegnerschaft von Severin und Edlinger. Sie warfen ihrem Ex-Kollegen vor, nicht genug für die Restrukturierung getan zu haben – und fanden damit offensichtlich Gehör bei der Oberbürgermeisterin. (msa/NaNa Brief)

Den gesamten Beitrag lesen Abonnenten im NaNa Brief 1+2/18 vom 9.1.2018.