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VRT vor dem Auseinanderbrechen

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Freie Schulwahl, mehr Nachmittagsunterricht, höhere Anforderungen an die Fahrzeugausstattung – bei wachsenden Anforderungen sehen sich die Verkehrsunternehmen im VRT durch schrumpfende Schülerzahlen, unklare Finanzierung bei wachsender Rechtsunsicherheit bedroht. Obwohl der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) zwei Tariferhöhungen plant, werden eigenwirtschaftliche Genehmigungen nicht wieder beantragt – und es wird offen über eine (Teil-)Auflösung diskutiert.

Der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) steht möglicherweise vor der (Teil-)Auflösung. Derzeit werden Überlegungen angestellt, die Schülerlinien aus dem Verbundtarif zu nehmen und ihn nur auf die Hauptverbindungen zu beschränken. Hintergrund sind erhebliche Finanzierungsprobleme in der strukturschwachen und vom demografischen Wandel stark betroffenen Region im Hunsrück und der Westeifel, aber auch Rechtsunsicherheiten.

Rheinland-Pfalz ersetzt ab 2012 den streckengebundenen 45a-Ausgleich durch einen Preis-Preis-Vergleich, tendenziell zum Nachteil ländlicher Räume (ÖPNV aktuell 47/10). Auch eine aktuelle Entscheidung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) befördert die VRT-Strukturdebatte.

Denn die Genehmigungsbehörde stieß beim Seniorenbus Traben-Trarbach die Tür für Sonderverkehre neben und konkurrierend zum VRT-Tarifs noch weiter als bisher auf (ÖPNV aktuell 72, 65/11). Dabei ist die Marktabschöpfung durch verbundfremde Wettbewerber ohnehin beeinträchtigt: Luxemburg-Pendler nutzen die vom Nachbarstaat aus Gründen der Verkehrslenkung massiv geförderten RGTR-Linien, die zum Teil bis hinein nach Trier führen, der einzigen größeren Stadt im VRT-Gebiet. Auch der internationale Flughafenbus „Flibco“ von Sales-Lentz, der Trier mit dem Hunsrück verbindet, fällt nicht unter den VRT-Tarif, sondern unter den eigenwirtschaftlichen Haustarif, der je nach Buchungfrist mal 5, mal 12 EUR beträgt.

Von der unsicheren Lage sind die im Zweckverband VRT zusammengeschlossenen Aufgabenträger ebenso betroffen wie die Verkehrsunternehmen. Die unsichere Finanzierung hat VRT-Mitglied Moselbahn laut dem „Trierischen Volksfreund“ inzwischen dazu bewogen, für sechs Ende 2012 auslaufende Linien im Raum Saarburg keine eigenwirtschaftlichen Genehmigungen mehr zu beantragen. Insgesamt bedient die Moselbahn im Saargau 17 Linien.

Entsprechende Schritte hatte der Moselbahn-Chef und Regionalleiter Südwest des Mutterkonzerns Rhenus Veniro, Rolf Tödtmann, bereits im Januar 2011 „in einigen Bereichen“ seiner Region Südwest angekündigt (ÖPNV aktuell 13/11). Dem „Volksfreund“ sagte Tödtmann, die Hälfte aller VRT-Linien sei nicht eigenwirtschaftlich zu betreiben.

Auch bei DB Rhein-Mosel-Verkehr (RMV) gibt es offenbar Überlegungen, sich aus bislang eigenwirtschaftdem Betrieb von  in diese Richtung. „Können Linien nicht mehr durch Fahrgeldeinnahmen finanziert werden, werden die Verkehrsunternehmen genehmigte Konzessionen für den Buslinienverkehr zurückgeben oder nicht mehr beantragen, um einer Insolvenz zu entgehen“, sagte Unternehmenssprecherin Gabriele Rau gegenüber der Regionalzeitung deutlich.