Nachrichten

Bayern sucht das Pilotprojekt

Katja Hessel sieht die Stadtumlandbahn, deren positiver Kosten-Nutzen-Faktor in einem Gutachten festgestellt wurde, als deutlich schneller und attraktiver als die augenblicklich bestehenden Busverbindungen. Sie sagt dem Projekt ihre Unterstützung zu. „Als nächster Schritt muss jetzt dringend die Finanzierung des Projekts geklärt werden. Ich bin gern hierfür Trommlerin und Türöffnerin“, lässt Hessel in einer Pressemitteilung verlautbaren. Doch statt Fördergeldern spricht die Staatssekretärin von einer Unterstützung bei der Einwerbung privater Mittel: „ Ich könnte mir zum Beispiel ein Pilotprojekt vorstellen, das vorrangig aus privatem Kapital finanziert wird. Das wäre zwar ein Novum und die Region müsste viel Pionierarbeit leisten. Aber ich bin überzeugt davon, dass das Pilotprojekt gelingen könnte.“
Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker begrüßt grundsätzlich die positive Unterstützung durch Hessel. Auf Ebene des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) werde Stück für Stück daran gearbeitet, das Projekt Stadtumlandbahn mit allen notwendigen formalen Schritten bis hin zur eigentlichen Entscheidung in den beteiligten Gebietskörperschaften Stadt Nürnberg, Stadt Erlangen und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt (ERH) zu bringen. „Die Finanzierung ist daher auch noch offen, es ist aber klar, dass das Projekt nur mit erheblichen GVFG-Mitteln von den beteiligten Kommunen zu stemmen sein wird.“
Schon heute ist allerdings ebenfalls klar, dass die vorhandenen GVFG-Mittel bundesweit nicht für alle geplanten Projekte ausreichen werden. Selbst wenn ein Projekt grundsätzlich förderfähig ist, weil der Kosten-Nutzen-Faktor über 1 liegt, bedeutet dies nicht, dass auch tatsächlich Gelder fließen. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses Toni Hofreiter (Grüne) schätzt, dass die vorhandenen GVFG-Mittel schon jetzt vier Mal überzeichnet sind (ÖPNV aktuell 86/11). Der Verkehrsclub VCD hat jetzt die Rechnung für Baden-Württemberg aufgemacht. Danach werden über 9,5 Mrd. EUR für den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur in Baden-Württemberg benötigt, davon alleine über 7 Mrd. EUR zur Beseitigung von Engpässen, ergab eine Analyse des ökologischen Verkehrsclub. „Kein Geld für Nichts“, lautet das Fazit des VCD-Landesvorsitzenden Matthias Lieb. Und mancher in Bayern fragt sich, was aus anderen Projekten wird, wenn die 2. Stammstrecke München gebaut wird. 

Mehr zu dem Thema finden Abonnenten von ÖPNV aktuell in Ausgabe 8/12.

Artikel Redaktion Bus&Bahn
Artikel Redaktion Bus&Bahn