Autonomes Fahren: ÖPNV gefordert

Die technischen Probleme beim autonomen Fahren gelten inzwischen alle als lösbar. Um diese Zukunft mitzugestalten, muss sich die ÖPNV-Branche energischer in die immer schneller voranschreitende Entwicklung einbringen. Das wurde beim 2. VDV-Zukunftskongress in Berlin deutlich.

Professor Karsten Lemmer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Braunschweig brachte es auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, ob wir in Zukunft automatisiert fahren – auch nicht, ob unsere Verkehrsträger vernetzt sind – und auch nicht, ob wir unsere Mobilität digital organisieren – sondern wie wir diese Schlüsseltechnologien im Verkehr für den Menschen nutzen und gestalten.“ Autonomes Fahren berge erhebliche Potentiale: Die Zahl der Autos ließe sich in Kombination und Vernetzung mit dem ÖPNV um knapp zwei Drittel reduzieren – bei gleicher Leistung, stellte Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende,  fest. Unabdingbar sei dafür aber eine aktive Gestaltung durch die Politik, die hierzulande das Thema noch viel zu sehr vom Auto her denke.

Auch hätten umfangreiche Studien bereits gezeigt, dass der ausschließlich private Besitz autonomer Pkw ohne Verknüpfung mit dem ÖPNV fast zu einer Verdoppelung der Zahl der Autofahrten führen würde. Nicht zuletzt mache jeder Entwicklungsschritt das Auto wieder attraktiver, etwa durch Abstandsassistenten, die dem Fahrer bei Stop-and-Go die aktive Nutzung der Zeit im Stau ermöglichten. Für den ÖPNV brächte dagegen erst das hochautomatisierte Fahren wieder echte Vorteile. Daher stelle gerade die Übergangsphase Städte und ÖPNV vor signifiante Herausforderungen. Aber nur wenige Städte bereiteten sich schon auf mögliche Disruptionen vor, kritisierte Hochfeld.

Mehrere Experten forderten, die Branche müsse sich schneller und energischer mit dem Thema auseinandersetzen. So plädierte Martin Röhrleef, Obmann der AG Multimodale Mobilität des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dafür, das Feld nicht anderen zu überlassen. Es gelte, sich jetzt mit dem Thema auseinanderzusetzen und praktische Erprobungen zu starten. Mit konkreten Erfahrungen im Rücken ließen sich auch Positionen besetzen und Allianzen bilden.

Angesichts einer erwarteten drastischen Senkung der Kosten für Mobilität durch Autonome Fahrzeuge provozierte Dr. Alexander Hars (Inventivio GmbH) mit der These, dass Straßenbahnen in einem solchen Umfeld gar nicht mehr wettbewerbsfähig sein würden. Schließlich seien autonome Fahrzeuge durch die Möglichkeit einer „Zugbildung“ auf Teilstrecken leistungsfähig und böten gleichzeitig auch die Option direkter Fahrten von Tür zu Tür. Der Kunde akzeptiere Fußwege zur Haltestelle meist nur bis 200 m Länge, warnte auch Robert Henrich, Geschäftsführer der MOIA GmbH, und plädierte für ergänzende und neue Mobilitätsangebote. (FM/NaNa)

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Artikel Redaktion Bus&Bahn
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