Üstra: Verlust geringer als erwartet

Der Üstra-Vorstandsvorsitzende Volkhardt Klöppner hält am umfangreichen Investitionsprogramm fest; Foto: Achim Uhlenhut

Der Vorstand der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG hat dem Aufsichtsrat die Jahresbilanz 2019 vorgelegt.

Einen Pressetermin gab es dazu nicht. Klar ist aber bereits: Das Unternehmen erwartet wegbrechende Einnahmen in Folge der massiv gesunkenen Fahrgastzahlen, will aber an allen Investitionsplänen festhalten. 2020 könnte das Minus mit 100 Mio Euro doppelt so hoch werden wie bislang geplant. Für 2019 hingegen sei der Verlust geringer als erwartet ausgefallen. Beispielsweise stiegen die Fahrgeldeinnahmen um 3,1 Mio Euro, obwohl die Fahrgastzahlen um 1,5 Prozent auf 171,8 Mio zurückgingen. Ursachen sieht der Üstra-Vorstand in dem guten Radfahrwetter und vermehrter Heimarbeit sowie in den Baustellen im Stadtbahnnetz. Im Busverkehr seien die Fahrgastzahlen dagegen gestiegen. Das Minus der Bilanz 2019 lag letztlich bei rund 36 Mio Euro und damit um 10,1 Mio Euro höher als im Vorjahr (25,9 Mio Euro), aber noch 3,7 Mio Euro besser als vorausberechnet. Positive Effekte sieht die Unternehmensführung insbesondere in Einsparungen „beim betrieblichen Aufwand aufgrund von geringeren Instandhaltungs- und Dienstleistungsaufwendungen“. So konnten sogar noch zusätzliche Vorsorgerücklagen zur Deckung künftiger Pensionsverpflichtungen gebildet werden.

Für 2020 werde nunmehr ein Bilanzdefizit zwischen 60 und 100 Mio Euro erwartet, wie der Aufsichtsratsvorsitzende und Verkehrsdezernent des Aufgabenträgers Region Hannover, Ulf-Birger Franz, in der lokalen Presse zitiert wird. Die Fahrgastzahlen seien seit Beginn der Einschränkungen infolge der Maßnahmen zur Corona- Pandemie auf ein Viertel des Üblichen gesunken, während noch etwa 80 Prozent des Verkehrsangebots gefahren werden. Statt mit 550.000 Fahrgästen an einem durchschnittlichen Werktag rechnet die Üstra derzeit mit etwa 130.000. Der Verkauf von Einzeltickets liegt bei 52.000 statt normalerweise 235.000 Euro am Tag. Einbußen sind auch bei den Abokunden zu erwarten, weil ihnen im Juni, Juli und August aus Kulanzgründen seitens des Verkehrsverbunds GVH jeweils ein um 20 Prozent geminderter Preis berechnet wird. Wie weiter verlautete, wird nach Vorliegen der Vereinbarungen nunmehr auch Kurzarbeit bei den Üstra-Beschäftigten nicht ausgeschlossen. Die Region Hannover werde dem Vernehmen nach das Kurzarbeitergeld auf 95 Prozent des Gehalts ergänzen.

Trotz allem will der Üstra-Vorstand weiter am umfangreichen Investitionsprogramm für die kommenden Jahre festhalten, was sich durch steigende Abschreibungen auch in den Bilanzen bemerkbar machen wird. Voraussichtlich im Mai endet die Auslieferung der Stadtbahnwagen des Typs TW3000. Der Nachfolgetyp ist bereits in der Designphase, die Ausschreibung wird vorbereitet. Zudem stehen ein Neubau des zentralen Stadtbahn-Betriebshofes Glocksee am bisherigen Ort und der Betriebsleitstelle an. Geplant ist zudem ein zusätzlicher Stadtbahn-Betriebshof. Daneben läuft die Umrüstung von Teilen der Busflotte auf E-Antrieb samt Schaffung reiner Elektrobuslinien. Von einer zeitlichen Streckung dieser Pläne mit Rekordinvestitionen ist bislang trotz des für 2020 zu erwartenden Rekorddefizits nicht die Rede. (ht)

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Artikel Redaktion Bus&Bahn
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